Die Website Bundesweite Frauenhaus-Suche ist in Deutschland einzigartig. Seit fünf Jahren bietet sie gewaltbetroffenen Frauen einen Überblick über freie Schutzplätze. Ein Blick in die Nutzer*innenzahlen beweist: die feministische Frauenhausbewegung füllt immer wieder Lücken, wo der Staat seinen Pflichten zum Schutz vor Gewalt nicht nachkommt.
BERLIN, 18. Mai 2026 – Bevor www.frauenhaus-suche.de online ging, blieb Gewaltbetroffenen nur eines übrig: Frauenhäuser einzeln zu recherchieren und anzurufen. Da Frauenhausplätze seit jeher knapp sind, war dies in vielen Fällen eine zeit- und energieaufwendige Angelegenheit. Bei akuter Gewalt und kleiner Zeitfenster zur Flucht kann diese Zeit Leben gefährden.
Seitdem die Website im Mai 2021 auf Initiative der Autonomen Frauenhausbewegung ins Leben gerufen wurde, mildert sie dieses Problem ab. Frauen haben dort die Möglichkeit, sich selbstständig und anonym über ihre Möglichkeiten zu informieren. Fünf Jahre später zeigt eine Auswertung der statistischen Daten der Website, dass sie fester Bestandteil der Schutz- und Beratungsstruktur in Deutschland ist. Es werden jedoch auch Lücken deutlich.
36.388-mal konnte kein Frauenhaus gefunden werden
Obwohl aktuell bereits 329 Frauenhäuser und Notaufnahmen und 27 Schutzwohnungen auf der Seite registriert sind, wurde im vergangenen Jahr über 36.000 Schutzsuchenden angezeigt: „Es konnte kein Frauenhaus gefunden werden“. In diesem Jahr haben mehr als 74.500 Personen die Website Bundesweite Frauenhaus-Suche besucht – 10.000 mehr als im Vorjahr.
Zu den Nutzenden gehören nicht nur Gewaltbetroffene selbst, sondern auch Mitarbeitende von Frauenhäusern und Beratungsstellen, die Mitarbeitenden der deutschlandweiten Hotline Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, Polizei, Personen im Gesundheitssystem, Freund*innen und Unterstützer*innen von Gewaltbetroffenen. Die oben genannten Zahlen bestätigen einmal mehr: Deutschland braucht dringend mehr Frauenhausplätze.
Frauenhaus ist nicht gleich Frauenhaus
Jede Betroffene, die einen Schutzplatz sucht, bringt eine komplexe Realität mit sich. Wichtige Faktoren für das Finden eines Frauenhausplatzes sind unter anderem: Anzahl der Kinder und Alter der Söhne, Behinderung, Wohnort, Verpflichtungen am ursprünglichen Wohnort, Wohnsitzauflagen bei Asylverfahren, Suchtmittelabhängigkeit, Haustiere, geschlechtliche Identität.
„Es nützt einer Frau nichts, wenn ein Frauenhausplatz in Hamburg frei ist, während ihre Arbeit, ihre Freundinnen und die Schule ihrer Kinder in Bamberg sind. Es ist nicht zumutbar, dass sie ihr ganzes Leben aufgibt - insofern es ihre Bedrohungslage zulässt. Genau so kann es wichtig sein, dass eine Frau aus einer Kleinstadt so weit weg wie möglich in eine Großstadt fliehen muss, um leichter in der Masse unterzugehen“, erklärt Nadine Weber, Vertreterin der ZIF.
Damit die Frau möglichst Ergebnisse angezeigt bekommt, die auf ihr Leben zugeschnitten sind, bietet die Seite neben Ort und Art der Einrichtung weitere Filter. Die Auswertung deutet auch hier auf erhebliche Lücken in der Schutz- und Beratungsstruktur hin. 2025 wurde 1.533-mal nach Schutzangeboten für Frauen mit Gehbehinderung gesucht, denen nur 100 Angebote gegenüberstehen. Für Hör- (479 Suchen / 20 Angebote) - und Sehbehinderung (622 Suchen / 16 Angebote) zeigt sich ebenso eine große Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot ab.
Andere Faktoren haben wichtige Auswirkungen auf die Suche: Viele Frauen wollen ihr Haustier mitnehmen und verlassen ihre Wohnung nicht ohne den emotionalen Begleiter. Zu diesem Filter gab es 2025 6.488 Suchanfragen. Dennoch gibt es nur 36 Frauenhäuser, die Katzen und Hunde zulassen und 42, in die auch Kleintiere im Käfig mitkommen können.
Weiterhin öffnen sich viele Frauenhäuser für ein Konzept, welches trans*, inter und nicht-binäre Personen schützt. 46 Frauenhäuser weisen aus, dass die Teams sich in diesem Bereich fortgebildet haben. Die Suchanfragen übersteigen auch hier das Angebot mit 2.015 Anfragen im vergangenen Jahr.
Schutz vor Gewalt nur in der Selbstbestimmung
Die Website zeigt, dass Hilfsangebote, die tatsächlich an den Bedürfnissen der Gewaltbetroffenen orientiert sind, Wirkung haben.
Nadine Weber von der ZIF berichtet: „Sich vom Partner zu trennen, ist selbst bei erlebter Gewalt für viele Frauen eine sehr große Hürde. Die Selbstbestimmung und das Wahlrecht der Betroffenen zu wahren, ist bei der Suche nach einem Frauenhausplatz ein ganz entscheidender Faktor dafür, ob sie fliehen wird oder nicht. Da spielt die Auswahl des Frauenhauses eine große Rolle.“
Deswegen fordern die Autonomen Frauenhäuser:
- Die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes muss sich an Bedürfnissen der Betroffenen orientieren: Anonymität, Selbstbestimmung und Datenschutz an erste Stelle!
- Ausbau der Frauenhausplätze intersektional: besondere Bedarfe berücksichtigen und ausbauen!
- Feministische Frauenhausstruktur bewahren:
Der Erhalt der bestehenden Strukturen muss unterstützt werden, anstatt Gelder zu kürzen!
Feministische Frauenhausarbeit für Selbstbestimmung
Um weiterhin von Politischen- und Verwaltungszwängen unabhängig zu sein, wird der Betrieb und die Weiterentwicklung der Seite auch weiterhin durch Spenden finanziert. Der Vorteil: Die Bedürfnisse der Frauen und gewaltbetroffenen Personen bleiben im Fokus und die Daten dienen ausschließlich zur Verbesserung ihrer Bedienung.


