{"id":412,"date":"2020-03-07T12:29:37","date_gmt":"2020-03-07T11:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/wb.autonome-frauenhaeuser-zif.de\/?p=412"},"modified":"2021-01-25T12:07:12","modified_gmt":"2021-01-25T11:07:12","slug":"pressemitteilung-zum-weltfrauentag-08-maerz-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/pressemitteilung-zum-weltfrauentag-08-maerz-2020\/","title":{"rendered":"Pressemitteilung zum Weltfrauentag, 08.M\u00e4rz 2020"},"content":{"rendered":"<div class=\"field field-name-field-report-teaser\">\n<p>Am Weltfrauentag und an jedem anderen Tag: Es ist und bleibt unser Ziel, die Gewalt an Frauen und deren Kindern aktiv zu bek\u00e4mpfen!<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"field field-name-body\">\n<p>Laut Informationen des BKA versucht in Deutschland jeden Tag ein Mann seine (Ex-) Partnerin zu t\u00f6ten. Im Jahr 2018 wurde statistisch betrachtet jeden dritten Tag eine Frau get\u00f6tet \u2013 insgesamt 123 Frauen. Es ist h\u00f6chste Zeit, dass sich s\u00e4mtliche Teile der Gesellschaft ihrer Verantwortung stellen und ihren Beitrag zur Pr\u00e4vention von Frauenmorden leisten.<br \/>\nWir Autonome Frauenh\u00e4user arbeiten bewusst mit dem Begriff Femizid. Er ist f\u00fcr uns ein politischer Begriff und eben viel mehr als nur eine Begrifflichkeit. Femizid ist die T\u00f6tung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Und dem Begriff immanent ist, der gesellschaftliche Zusammenhang in dem die T\u00f6tung passiert. Ein Femizid ist untrennbar mit den patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen und Ursachen verbunden. Er hat System und ist Produkt eines gesellschaftlichen Ganzen.<br \/>\n__________________________________________________________________________________<br \/>\nDie erste Reaktion auf einen Femizid ist zumeist Betroffenheit und das Gef\u00fchl der Machtlosigkeit. Es folgt die gro\u00dfe Herausforderung nicht in der Ohnmacht zu verharren, sondern die Betroffenheit in Entschlossenheit und Mut zu verwandeln. Denn wenn wir die dahinterliegenden Strukturen anerkennen und gezielt ver\u00e4ndern, k\u00f6nnen Femizide verhindert werden.<br \/>\nDa ist zum einen die besondere Verantwortung von Vertreter*innen der Medien. Es ist von gro\u00dfer Bedeutung, wie \u00fcber Femizide berichtet wird. Die Gewalt bzw. der Mord muss als solcher benannt werden. Zu vermeiden sind unbedingt Begriffe und Formulierungen, die verharmlosen und bagatellisieren. Ebenso sind (Teil-) Schuldzuweisungen an die Betroffenen und deren Unterst\u00fctzer*innen (wie Frauenh\u00e4user oder Beratungsstellen) dringend zu unterlassen. Die Relevanz dieser Forderung wurde uns im November letzten Jahres dramatisch bewusst, als eine Bewohnerin des Limburger Frauenhauses ermordet wurde. Im Zuge der gesellschaftlichen Verkennung als vereinzelte Trag\u00f6dien werden die Frauen zu Schuldigen an ihren eigenen Schicksalen. Nicht die T\u00e4ter, vornehmlich M\u00e4nner, werden als T\u00e4ter benannt; stattdessen werden die Biografie und das konkrete Verhalten der Frau herangezogen, um die \u00dcbergriffe zu begr\u00fcnden und letztlich zu rechtfertigen.<br \/>\nDes Weiteren m\u00fcssen Schutz- und Hilfsstrukturen, wie z.B. Frauenh\u00e4user und Beratungsstellen vor allem finanziell aber auch strukturell so ausgestattet sein, dass sie ihrem Schutzauftrag wirklich gerecht werden k\u00f6nnen. Daher fordern wir:<\/p>\n<p>Zugang zum Frauenhaus erm\u00f6glichen:<br \/>\n\u2022 Es m\u00fcssen mehr Frauenhauspl\u00e4tze geschaffen werden<br \/>\n\u2022 Die Aufnahme gewaltbetroffener Frauen (und ihrer Kinder) muss rund um die Uhr m\u00f6glich sein<br \/>\n\u2022 Es braucht eine pauschale, verl\u00e4ssliche und einzelfallunabh\u00e4ngige Frauenhausfinanzierung<br \/>\n\u2022 Der barrierefreie Ausbau muss fl\u00e4chendeckend finanziert werden<br \/>\n\u2022 Sowohl Wohnsitzauflagen als auch Ehebestandszeit f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen und Migrantinnen<br \/>\nm\u00fcssen bei Partnerschaftsgewalt au\u00dfer Kraft gesetzt werden<br \/>\nUnstrittig ist, dass Trennung, Scheidung und Sorge- Umgangsrechtsverfahren Hochrisikofaktoren f\u00fcr<br \/>\nT\u00f6tungen darstellen. Daraus folgt:<br \/>\n\u2022 Gewaltschutz, Kinderschutz und Strafrecht m\u00fcssen synchronisiert werden<br \/>\n\u2022 Es braucht einen differenzierten Blick auf Kindeswohl und Kindeswille aller beteiligten<br \/>\nInstitutionen<br \/>\n\u2022 Alle relevanten Berufsgruppen m\u00fcssen fortgebildet und sensibilisiert werden bzgl der Thematik<br \/>\nPartnerschaftsgewalt<br \/>\n\u2022 Der Fokus muss auf die Verantwortungs\u00fcbernahme des Vaters f\u00fcr sein gewaltt\u00e4tiges Verhalten<br \/>\ngerichtet werden<br \/>\n\u2022 Die Einbindung des Artikels 31 Istanbul Konvention (Sorgerecht, Besuchsrecht und Sicherheit) in<br \/>\nEntscheidungen des Familiengerichtes, als ma\u00dfgebende Grundlage verantwortlichen Handelns<br \/>\ngegen\u00fcber gewaltbetroffenen Frauen und deren Kindern, ist unumg\u00e4nglich<br \/>\n\u2022 In Sorge- und Umgangsrechtsverfahren m\u00fcssen der Schutz von Mutter und Kindern Vorrang<br \/>\nhaben<br \/>\n\u2022 Der Ausbau von Forschung in diesem Bereich ist zu finanzieren<br \/>\n\u2022 Kinder m\u00fcssen als (Mit-) Betroffene von Femiziden in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst<br \/>\nwerden<br \/>\nDie geplante Sorgerechtsreform des Bundesjustizministeriums l\u00e4sst die Perspektive gewaltbetroffener<br \/>\nFrauen und deren Kinder weitestgehend au\u00dfer Acht. Die Ende Oktober 2019 ver\u00f6ffentlichten \u201aThesen<br \/>\nder Expert*innen\u2018 enthalten u.a. den Vorschlag, dass das Sorgerecht nicht mehr entzogen werden kann.<br \/>\nDies ber\u00fccksichtigt weder die Gewaltdynamiken, noch die gravierenden Auswirkungen, mit denen von<br \/>\nGewalt betroffene Frauen und deren Kinder oft Jahre, manche ihr Leben lang umgehen m\u00fcssen.<br \/>\nEs ist und bleibt unser Ziel, die Gewalt an Frauen und deren Kindern aktiv zu bek\u00e4mpfen!<br \/>\nEs ist und bleibt die (Mit-) Verantwortung von Politik und Gesellschaft, diese Formen von Gewalt &#8211; bis<br \/>\nhin zur Ermordung betroffener Frauen &#8211; wahrzunehmen und sich aktiv f\u00fcr einen umfassenden Schutz<br \/>\nvon Frauen und Kinder einzusetzen.<br \/>\nDenn: Frauenschutz ist Kinderschutz!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Weltfrauentag und an jedem anderen Tag: Es ist und<span class=\"excerpt-hellip\"> [\u2026]<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,1],"tags":[],"class_list":["post-412","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pressemitteilungen","category-unkategorisiert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=412"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":413,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412\/revisions\/413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/autonome-frauenhaeuser-zif.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}